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Frühgeschichte bis Antike
Die Vor- und Frühgeschichte des Gebietes entspricht weitgehend der Entwicklung in den anderen Regionen der iberischen Halbinsel. Ab ca. 2000 v. Chr. wandern die Iberer, wahrscheinlich aus Nordafrika kommend, auf der Halbinsel ein. Ab 1200 v. Chr. gründen die Phönizier Seefahrerkolonien an den Küsten. Ab ca. 600 v. Chr. wandern Kelten ein, die sich mit den Iberern vermischen. Zu den so entstandenen Keltiberern gehört auch der Stamm der Lusitaner, der den Römern als besonders wehrhaft galt und im Lateinischen namensgebend für das Land werden sollte.
Ab 450 v. Chr. wird das Gebiet von Karthago erobert und im Ergebnis des Zweiten Punischen Krieges an Rom abgetreten. Von den Römern wird der Südwesten der Halbinsel seit Beginn der Kaiserzeit unter dem Namen Lusitania als eigenständige Provinz verwaltet, die neben dem Großteil des heutigen Portugal auch Gebiete im Westen des heutigen Spanien umfasst (speziell die Extremadura, die Provinz Salamanca und das Gebiet um Talavera de la Reina), wo auch der Schwerpunkt der römischen Besiedlung lag. Die römische Herrschaft endet in der Völkerwanderungszeit; Sueben (ab 409) und vor allem Westgoten (ab 416) gründen ihre Reiche auf dem Gebiet des späteren Portugal.
Maurische Herrschaft bis Kolonialmacht Portugal
Im Jahre 711 erobern die Mauren das Land, Lusitanien gehört nun zu Al-Andalus und wird Teil des Emirats von Córdoba, später des Kalifats von Córdoba und schließlich der Taifa-Königreiche, in die das Land zerfällt. Der Großteil Lusitaniens wird im 11. Jahrhundert von der Dynastie der Aftasiden beherrscht, die in Badajoz residieren. Der Süden gehört dagegen zur Herrschaft der Abbadiden von Sevilla.
Währenddessen beginnt vom Königreich Asturien ausgehend im 9. Jahrhundert langsam die christliche Reconquista von Territorien des späteren Portugals, die aber erst im 12. Jahrhundert das ehemalige Lusitanien erreicht. Die Mauren werden bis 1492 sukzessive zurückgedrängt und schließlich völlig vertrieben.
Als Keimzelle des späteren Portugal entsteht im 9. Jahrhundert mit der Presúria von Portucale durch Vímara Peres in der Gegend um Porto die „erste“ Grafschaft Portucale („Condado Portucalense“). Mit der Übergabe von Portucale durch Alfons VI. (Kastilien) von Kastilien an seines Schwiegersohn Heinrich von Burgund wird 1096 oder 1097 die „zweite“ Grafschaft Portucale („Condado Portucalense“) begründet, die von Anfang mehr oder minder erfolgreich danach strebt, die Oberhoheit der Könige von León und Kastilien abzuschütteln. Heinrich von Burgund wird so zum Stammvater der ersten portugiesischen Königsdynastie.
Unter Heinrichs Sohn und Nachfolger Alfons I. erlangt das Land 1143 seine Unabhängigkeit, Alfons nimmt den Königstitel an. Die Burgunder herrschen bis 1383 in Portugal, 1211 wird das erste Ständeparlament (Cortes) einberufen, 1250 ist die Reconquista in Portugal mit der Eroberung der Algarve abgeschlossen, 1256 wird die Hauptstadt nach Lissabon verlegt.
1383 stirbt das Haus Burgund in Portugal aus, ein nichtehelicher Abkömmling, Johann von Avis ruft sich zum König aus, kann kastilische Ansprüche auf den portugiesischen Thron in der Schlacht von Aljubarrota (1385) abwehren und gründet die zweite portugiesische Dynastie, das Haus Avis. Die Avis-Könige (besonders Emanuel I. - er herrschte von 1495 bis 1521) führten das Land zu höchster Blüte, Portugal steigt zur führenden Handels- und Seemacht auf, erwirbt Kolonien in Brasilien, Afrika, Arabien, Indien und China, das Land ist Weltmacht und reichste Nation Europas (siehe auch Heinrich der Seefahrer; * 1394; † 1460). Auch kulturell kommt es zu einer Blütezeit (Luís de Camões).
1580 stirbt das Haus Avis aus, Portugal fällt aus dynastischen Gründen an die spanischen Habsburger. Bis 1640 herrschen die Spanier, Portugal verliert seine Unabhängigkeit, sinkt zur spanischen Provinz herab, verliert Teile seines Kolonialreiches. 1640 führt der Herzog von Braganza eine Adelsrevolte gegen die spanische Herrschaft an und ruft sich als Johann IV. zum König aus. Er gründet die vorletzte portugiesische Dynastie, das Haus Braganza. Außen- und wirtschaftspolitisch gerät das Land in immer größere Abhängigkeit von England (Methuenvertrag, 1703). 1755 vernichtet ein Erdbeben große Teile der Hauptstadt Lissabon, der Marquês de Pombal baut die Stadt wieder auf und formt das Land mit zum Teil drastischen Methoden zu einem aufgeklärt absolutistischen Staat um. 1761 kommt es zu einem Angriff Spaniens und Frankreichs auf das Land, Pombal trägt Wilhelm Graf zu Schaumburg-Lippe den Oberbefehl über die vereinigten portugiesischen und britischen Truppen an. Wilhelm wehrt die Angriffe erfolgreich ab und kann so die Unabhängigkeit Portugals sichern. In den darauffolgenden Jahren reformiert er das portugiesische Heer gründlich und lässt die Festung Elvas an der spanischen Grenze errichten. 1807 besetzen napoleonische Truppen das Land, die königliche Familie flieht nach Brasilien. Nachdem die Franzosen mit britischer Hilfe vertrieben wurden, kommt es zur liberalen Revolution, das Land erhält zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Verfassung (1821). Der sich anschließende Kampf zwischen Anhängern des Absolutismus und Befürwortern einer konstitutionellen Monarchie wird erst durch den Sieg der letzteren im Miguelistenkrieg entschieden. Am 7. September 1822 erlangt Brasilien unter Kaiser Pedro I. seine Unabhängigkeit.
Endphase der Monarchie bis Estado Novo
Die Zeit nach Ende des Miguelistenkrieges wird von der Auseinandersetzung zwischen Rechts- und Linksliberalen (Cartisten und Setembristen) geprägt. 1853 stirbt mit Königin Maria II. das Haus Braganza in direkter Linie aus, über die Ehe der Königin mit Ferdinand II. von Sachsen-Coburg und Gotha übernimmt der portugiesische Zweig dieses deutschen Adelshauses den Thron (bis 1910). Die Endphase der Monarchie ist durch eine allgemeine Schwäche des Landes, wirtschaftliche Probleme (Staatsbankrott 1891) und zunehmende republikanische Aufstände geprägt. 1908 werden der König Karl I. und der Thronfolger bei einem Attentat getötet, 1910 wird die Republik ausgerufen.
Im März 1916 tritt das Land auf Seiten der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Portugal mobilisiert bis zu 100.000 Soldaten, von denen ca. 7.000 bis zum Ende des Krieges fallen. Die sog. erste Republik (bis 1926) ist durch anarchisch chaotische Zustände gezeichnet, monarchistische und kommunistische Aufstände, Putschversuche (u. a. des Sidónio Pais, 1917), schwache, häufig wechselnde Regierungen ohne parlamentarische Mehrheit und eine allgemeine politische Instabilität kennzeichnen die Situation.
1926 putscht das Militär und beendet die erste Republik. Unter den Militärs steigt ein Zivilist, António de Oliveira Salazar, ab 1928 Finanzminister, ab 1932 Ministerpräsident, zu höchster Macht auf. Er gründet ab 1933 den „Estado Novo“, den neuen Staat, ein autoritäres Gebilde mit faschistischen Tendenzen, komplett mit Einheitspartei (Nationale Union), Staatsjugend und Geheimpolizei (PIDE). Die katholisch-autoritäre und antidemokratische Ideologie des Diktators verfolgt das Projekt eines „Ständestaates“. Außenpolitisch baut Salazar auf die Bindung an Großbritannien, sympathisiert im spanischen Bürgerkrieg mit den nationalspanischen Kräften und taktiert geschickt zwischen den Blöcken. Im Zweiten Weltkrieg bleibt das Land neutral, beliefert beide Seiten mit dem wichtigen Rohstoff Wolfram und wird zum Tummelplatz von Geheimagenten aller Kriegsparteien. Salazar, der von Anfang an mit einem alliierten Sieg rechnete und entscheidend auf Franco im Sinne einer spanischen Neutralität eingewirkt hatte, erlaubt den Alliierten schließlich aber im Herbst 1943 die Einrichtung von Militärbasen auf den Azoren. Nach Ende des Krieges tritt Portugal rasch der NATO bei. Ab 1960 beginnt der Kolonialkrieg, der besonders in Afrika (Angola, Mosambik, Guinea-Bissau) mit großer Härte geführt wird. 1968 muss Salazar wegen gesundheitlicher Probleme zurücktreten, sein Nachfolger, Marcello Caetano, kann sich nicht zu grundlegenden Reformen entschließen. Durch den Kolonialkrieg ist Portugal außenpolitisch zunehmend isoliert, die Kosten des Krieges führen zu steigender Staatsverschuldung und Inflation. Führende Militärs erkennen, dass der Kolonialkrieg militärisch für Portugal nicht zu gewinnen ist; wegen der Unfähigkeit der Regierung, eine politische Lösung des Problems zu finden, putschen sie schließlich 1974. Eine allgemeine Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der Diktatur, durch die einsetzende Wirtschaftskrise (hervorgerufen durch die erste Ölkrise 1973) noch verstärkt, führt dazu, dass sich die Bevölkerung massenhaft mit den putschenden Offizieren solidarisiert, es kommt zu einer allgemeinen Volkserhebung, der Nelkenrevolution, die den Estado Novo beendet. Die neuen Machthaber entlassen die portugiesischen Kolonien, bis auf Macau, in die Unabhängigkeit (1974/1975).
Nelkenrevolution bis EU-Beitritt
Die erste Phase nach der Revolution ist geprägt von der Auseinandersetzung zwischen einer eher konservativen Strömung (General Spínola) und einem sozialistischen Flügel (Hauptmann Otelo), innerhalb des MFA (Movimento das Forças Armadas - Bewegung der Streitkräfte), der Vereinigung der putschenden Offiziere. Zunächst sah es so aus, als wenn die sozialistische Strömung obsiegen würde, es kam zu Verstaatlichungen und Landreform, die neue Verfassung von 1976 definiert den Übergang zum Sozialismus als Staatsziel.
Als sich bei den ersten Präsidentschaftswahlen nach der neuen Verfassung 1976 der gemäßigtere General Eanes überraschend deutlich gegen Hauptmann Otelo durchsetzen kann, sind die Weichen für eine Rückkehr des Landes zu einer parlamentarischen Demokratie westeuropäischen Zuschnitts gestellt. Eanes und der Vorsitzende der Sozialistischen Partei Mário Soares (Regierungschef von 1976 bis 1978 und 1983 bis 1985, Staatspräsident von 1986 bis 1996) führen das Land schließlich in die Europäische Gemeinschaft (Beitritt 1986).
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